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Liegen bleiben heißt bestanden

Sonne! Ein letztes Aufbäumen des Sommers und viele lachende Hundefreunde. So dämmerte der Samstag morgen heran. Mittendrin 11 sehr blasse Gesichter. Nun ja. Eigentlich waren es noch mehr, die sehr aufgeregt waren, aber für diese 11 Personen (und 12 Hunde) stand eine wichtige Prüfung an. Quasi das Abitur, nämlich die Begleithundeprüfung. Wer diese Prüfung in den vergangenen Jahren schon einmal absolviert hat, kennt das Gefühl und weiß auch, dass das Laufschema inzwischen mehrfach geändert wurde. Als Richter urteilte Dieter Jäckel, den wir schon von diversen Veranstaltungen kannten.

Ablauf einer Begleithundeprüfung

Zuerst mal ein kleiner Überblick. Um was geht es eigentlich? Der Begleithund und sein dazugehöriger Mensch sollte den Hunde-Knigge kennen, d.h. gewisse Grundregeln kennen und auch einhalten. Es ist natürlich schwierig so etwas in eine Prüfung zu packen, was eigentlich jeder Hundehalter kennen und können sollte. Trotzdem wird es hier versucht und Alltagssituationen simuliert. Im Theorieteil muss der Mensch verschiedene Situationen bewerten und im Multiple Choice Verfahren die Reaktion richtig auswählen. Dann kommt der praktische Teil. Das berühmt-berüchtigte Laufschema kommt hier zum Tragen. Der Hund muss hierbei verschiedene Grundkommandos vorführen und dabei (bis auf wenige Ausnahmen) immer brav im Fuß laufen. Als Abschluss folgt später noch der Verkehrsteil, der dem Richter frei überlassen ist. Mancher ist schon durch eine belebte Innenstadt gelaufen und andere absolvieren die Alltagssituationen in Hundeplatznähe mit Helfern. Radfahrer, Jogger, andere Spaziergänger oder Hunde. Wurden all diese Hindernisse erfolgreich durchstanden, ernten die Teilnehmer die Lorbeeren ihrer Mühen – eine Unterschrift bei „Bestanden“ in ihrer Leistungsurkunde.

Unsere Prüflinge im Härtetest

Nun ging es zur Sache. Nach bestandenem Theorieteil wurde kurz die Unbefangenheit (kein Problem für unsere Hunde) und Chipkontrolle durchgeführt und dann ging es paarweise auf den Platz für das Laufschema.

Natalie und Nina

Den Anfang machten Natalie mit ihrer wirbeligen Makani und Nina mit Phelin, ihres Zeichens eine 2jährige Viszla-Hündin. Während Phelin die freie Ablage machen sollte, gingen Natalie und Makani an den Start für das Laufschema. Makani orientierte sich brav an Natalie und lief im ersten Teil wunderbar mit ihrem Frauchen mit. Ab und zu zog sich die Leine etwas, aber die beiden harmonierten schön. Phelin beschloss mittlerweile, dass es ohne Frauchen langweilig ist und machte sich auf den Weg zu ihr. Nina traf sicher fast der Schlag, als plötzlich die elegante Silhouette ihrer Hündin neben ihr erschien.

Natalie und Makani hatten ab der Gruppe leichte Diskussionen, denn Makani hatte noch nicht alle auf Leckerchen abgecheckt und würde jetzt gerne was anderes machen. THS wäre jetzt interessanter oder auch spielen. Trotzdem blieb sie bei Natalie, aber die Aufmerksamkeit ebbte ab und Makani fiel etwas zurück. Nun ging es zur freien Ablage. Makani legte sich brav hin und Natalie entfernte sich, während Nina mit Phelin an den Start ging. Phelin pendelte etwas, blieb aber sonst bei Nina und absolvierte mit ihr das Laufschema ordentlich. Ab und an blieb sie etwas zurück, aber im Großen und Ganzen lief sie schön. Makani entdeckte inzwischen, dass sich jemand erdreistete auf der anderen Seite des Zaunes hinter der Buschreihe zu laufen und musste da mal einen genaueren Blick hinwerfen. Sie stand also auf und betrachtete mal den Zaun und vor allem den dahinter befindlichen Busch inklusive Menschen oder Hunden dahinter genauer. Natalie sammelte ihre Makani ein und stellte sich etwas deprimiert in den Schatten.

Bei der abschließenden Bewertung erklärte Leistungsrichter Dieter Jäckel, dass beide Vorführungen zwar leichte Mängel hatten, aber ansonsten sehr schön waren, bis auf… ja, bis auf das Aufstehen in der freien Ablage. Das kostete beiden Teams die Prüfung und wir drücken für den nächsten Versuch die Daumen.

Nicole und Martin

Nun waren Nicole mit ihrer Malin, einer sehr fröhlichen und liebenswürdigen Hündin sowie Martin mit seiner Kira, einer spritzigen Aussie-Dame an der Reihe. Malin legte sich brav hin und ließ sich die Sonne auf den Pelz scheinen, während Martin und Kira liefen. Leider lief für Martin und Kira gar nichts so wirklich rund. Kira ließ sich ablenken, schnupperte rum, pendelte hin und her und Martin war so nervös, dass er nicht wirklich in Tritt kam. Malin lag wie eine Eins. Okay, sie stand einmal schnell auf, um sich bequemer hinzulegen, aber schließlich mussten ja beide Seiten gewärmt werden.

Nun tauschten die beiden und Kira legte sich problemlos ab, während Martin sich entfernte. Nicole und Malin gingen los. Malin war zwar etwas zögerlich, aber sie lief brav mit und hielt schön den Kontakt zu ihrem Frauchen. In der Gruppe war sie leidlich enttäuscht, dass sie niemand streichelte oder Leckerchen anbot. Aber als Hund von Welt, kam sie damit klar. Kira war es zu warm und sie ging lieber neben Martin in den Schatten, der sie dann leider nur noch anleinen konnte.

Als sie die abschließende Bewertung hörte, fielen Nicole so viele Steine vom Herzen, dass der Boden regelrecht erschüttert wurde. Sie hatte als erste Starterin die BH bestanden und war so erleichtert, dass sie ihre Freude nur noch in einer Tränenflut zeigen konnte. Für Martin und Kira hatte es leider nicht gereicht und die beiden gehen in die nächste Runde.

Stefan und Bastian

Nun kamen zwei Teams, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Stefan mit seiner eleganten Schäferhündin Nera und Bastian mit der kleinen wuscheligen Cassie. Stefan und Nera gingen zur Ablage, während Bastian und Cassie zum Start gingen. Auch wenn Cassie etwas pendelte und ein bisschen Abstand zwischen sich und Bastian brachte, lief sie sehr schön und blieb die ganze Zeit aufmerksam an seiner Seite. Bei den schnellen Schritten wechselte sie kurz mal die Seite, kehrte aber sofort wieder zurück ins Fuß. Rennen ist halt was schönes, wenn man ein Agi-Hund ist.

Nera fand es in der Ablage sehr langweilig und ging nach einer Weile zu Stefan, um sich bei ihrem Herrchen die Ohren kraulen zu lassen, was dieser aber aus für Nera unverständlichen Gründen nicht tat. Nun wurde getauscht und Stefan und Nera fanden immer nur kurz ihren Rhythmus. Dann roch Nera auch noch irgendwo was leckeres und ließ sich etwas ablenken, Stefan hatte sie zwar schnell wieder bei sich, aber auch kleine Ausreißer kosten entscheidende Punkte. Bastians Cassie stand zwar auf, aber die beiden bestanden ihre Prüfung.

Als der Leistungsrichter seine Bewertung abgab, war er schon richtig unglücklich, denn er musste schon wieder ein nicht bestanden verkünden – wieder wegen der Ablage. Dafür durfte er Bastian zum bestandenen praktischen Teil gratulieren. Nun fehlte nur noch der Verkehrsteil.

Nina und Monika

Nina ging nun mit ihrer zweiten Viszla-Hündin Julie in die zweite Runde und Monika stellte sich mit ihrer Mittelschnauzer-Lady Lotte der Prüfung. Lotte durfte schon einiges an Agi-Luft schnuppern und erfreut sich einem quirligem Wesen. So war die Ablage für Lotte auch die reinste Qual. So lange liegen ohne Action. Schlussendlich beschloss sie, dass es bei Frauli schöner ist und sie stiefelte auf eigene Faust los. Julie zeigte eine sehr graziöse Vorführung und ließ sich auch nicht von der munteren Lotte ablenken. Sie hielt den Kontakt zu Frauchen Nina und war ganz Dame, als sie das Schema absolvierte. Für die Gruppe hatte sie keinen Blick übrig, es zählte nur ihr Frauchen. Hier zeigte sich, dass das Team schon deutlich mehr zusammengewachsen ist, denn Julie ist bereits 5 Jahre alt und somit deutlich gelassener als die anderen Jungspunte.

Auch in der freien Ablage lag sie entspannt und sehr ruhig, während Lotte und Monika das Schema absolvierten. Die beiden zeigten eine schöne Vorführung und Lotte ließ sich zwar kurz in der Gruppe ablenken, blieb aber ansonsten schön bei ihrem Frauchen und auch aufmerksam. In der Freifolge erschnüffelte Lotte irgendwo ein Leckerchen und nahm die Fährte auf. Sie fand es auch und knurpselte es genüsslich, während Monika ihrem Hund vermutlich gerne einen Flug auf den Mond geschenkt hätte. Aber dann kam sie wieder brav mit, nur hatte dieser Schnellimbiss Punkte gekostet.

„Irgendwie zieht es sich wie ein roter Faden durch den Tag. Steht der Hund auf, ist die Prüfung gelaufen, bleibt er liegen, dann ist die Prüfung bestanden.“ So ähnlich äußerte sich der Wertungsrichter bei seiner Bewertung für Lotte und Julie, wobei er mit einem Schmunzeln die französische Aussprache des Namens der Viszlahündin betonte, da er zuvor dahingehend korrigiert wurde.

Marion und Nathalie

Nun stellten sich Marion mit ihrer Mila und Nathalie mit der knuffigen Drops dem Urteil des Richters. Monika legte ihre kleine Koikerhondje in die freie Ablage und drückte sich die Daumen, während Nathalie und das entzückende Papillonmädchen Drops das Laufschema in Angriff nahmen. Es gibt ja wenig, was noch goldiger ist, als ein kleiner Papillon, der neben seinem Frauchen herumwuselt. Drops zeigte eine sehr niedliche Vorstellung und war auch schön aufmerksam, aber in der Freifolge ließ sie sich doch ablenken und schnupperte mal hier oder dort.

Als die beiden tauschten, war Marion sehr erleichtert und konnte die brave Mila aus der Ablage dort abholen, wo sie sie auch abgelegt hatte. Nun ging es an den Start und die beiden überzeugten auf ganzer Linie. Marion lief zwar etwas sehr steif, aber ihre kleine Mila lief wie ein Uhrwerk und zeigte exakt das, was erwartet wurde. Sie ignorierte die Gruppe und hielt sich eisern an der Seite ihres Frauchens, auch nachdem Drops aufgestanden und ein bisschen umhergestreift war, bis sie bei ihrem Frauchen eintraf.

Voll des Lobes für Marion und Mila war der Leistungsrichter bei der Abschlussbewertung und gratulierte ihr zum bestandenen Teil. Für die kleine Drops hatte es leider nicht gereicht, da die freie Ablage nicht geklappt hatte.

Martina und Karin

Den Abschluss bildeten Martina mit Liv und Karin mit Carlos. Riesenschnauzer Carlos wurde abgelegt, während die schwarze Schäferhündin Liv mit ihrem Frauchen an den Start ging. Das Laufschema klappte gut und Liv war aufmerksam und blieb auf Höhe ihres Frauchens. Bis sie an einer besonders verlockenden Stelle vorbei kam und die eine oder andere Nase voll Duft nehmen wollte. Die Leckerchen, die irgendwann dort mal verloren worden waren, waren mittlerweile vertilgt, aber der Duft lag noch in der Luft. Trotzdem kam Liv dann schnell wieder in Fahrt und lief brav mit.

Carlos hatte sich in der Sonne sehr gemütlich abgelegt und konnte aus der Ablage abgeholt werden, so dass sein Frauchen schon mit einer gehörigen Portion Motivation an den Start gehen konnte. Liv legte sich problemlos ab und ihr Frauchen entfernte sich. Carlos und Karin liefen ohne Beanstandungen und Fehler ihr Schema ab. Ab und zu saß Carlos mal etwas schief oder pendelte leicht, aber grundsätzlich war er sehr aufmerksam und hielt sich an Karins Seite. Liv fand es in der Sonne etwas zu warm und wechselte in den Schatten zu ihrem Frauchen.

Bedauernd schüttelte Dieter Jäckel den Kopf, als er Liv und Martina leider erklären musste, dass es heute nicht gereicht hatte. Karin und Carlos lobte er dagegen sehr, da Carlos vorbildlich in der freien Ablage gelegen war, kein Zappeln, kein Hampeln und auch kein schiefes Platz. Die beiden hatten diesen Teil bestanden.

Verkehrsteil

Nach der Mittagspause durften die verbleibenden 5 Teams zum Verkehrsteil antreten. Hier wurden die Hunde mit Alltagssituationen konfrontiert. Radfahrer, Autos, entgegenkommende Jogger stellten kein Problem dar. Dann wurde der Hund noch angebunden und sein Mensch entfernte sich aus der Sicht. Es ging ein anderer Hund vorbei und der Leistungsrichter ging sehr knapp an den Hunden vorbei. Auch hier blieben alle ruhig und gelassen. Endlich endlich verkündete Dieter Jäckel, dass diese 5 Teams bestanden hatten und gratulierte ihnen zur bestandenen Begleithundeprüfung. Die Tagesbesten waren Marion und Mila, die wirklich eine sehr schöne Vorführung gezeigt hatten.