Seminare

Erste Hilfe am Hund

… oder gestalte deine eigene Mumie und was Kondome an Hundepfoten zu suchen haben

Am Sonntag morgen sammelten sich die Teilnehmer des Seminars „Gestalte deine eigene Mumie“  – ach nein, es ging um Erste Hilfe am Hund. 14 interessierte Hundehalter wollten sich von Carmen Santos zeigen lassen, wie sie ihrem Hund im Falle eines Notfalles eine Verletzung verarzten oder sogar das Leben retten konnten. Carmen ist Erste Hilfe Trainerin für menschliche Patienten und hat ihr Wissen und Können verfeinert und bringt ihr Wissen nun Hundehaltern bei. Immer mit dabei ist ihre Dalmatinerhündin Balia, die ihr auch gerne mal als „Opfer“ zur Seite steht. Außerdem reist mit Carmen ein freundlicher Hundedummy im Koffer mit, an dem die Teilnehmer die Herz-Lungen-Wiederbelebung und verschiedene Verbandstechniken üben können.

Viele Teilnehmer hatten ihren Hund dabei, um selbst mal Hand anlegen zu können und direkt zu testen, wie schwierig es sein kann, einem echten und auch zappelnden Hund einen Druckverband anzulegen. Obwohl die meisten Teilnehmerhunde das alles sehr suspekt fanden, machten sie großartig und mit sehr viel Ruhe und Gelassenheit mit. Es ist natürlich nicht schlecht, wenn ein Hund solche Behandlungen in ruhiger Umgebung kennenlernt, um dann im Notfall nicht noch zusätzlich gestresst zu werden. Carmen zeigte auch gleich, wie man korrekt eine Maulschlaufe anlegen kann, damit ein panischer Hund nicht um sich beißen kann und den Helfer verletzen.

Wir lernten, wie alle Vitalfunktionen kontrolliert werden und auch schnell die wichtigsten Schockzeichen überprüft werden können. Sehr wichtig ist es, den Hund zuerst anzusprechen und ihn dann zu sichern, damit er sich und die Helfer nicht (weiter) verletzten kann. Am Hundedummy durfte jeder Teilnehmer die Herz-Lungen-Wiederbelebung inklusive Annäherung und allen ersten Vorsichtsmaßnahmen selbst ausprobieren. Der eine oder andere war sehr überrascht, wie weit so ein Brustkorb doch eingedrückt werden muss, um überhaupt eine Wirkung zu erzielen. Carmen korrigierte so lange, bis jeder die Technik korrekt durchführte und erklärte auch gleich, wie sich die Technik je nach Rasse ändert. Ein Chihuahua wird selbstverständlich nicht gleich behandelt wie beispielsweise ein Rottweiler. Ebenso müssen schmale Hunde mit tiefem Brustkorb auf die Seite gelegt werden und zum Beispiel ein Boxer wird eher auf den Rücken gelegt.

„Kraulen ist immer möglich.“
Maid, Border Collie

Besonders die Technik, wie man einen Hund ruhig auf die Seite legt, war für die Teilnehmer gar nicht so leicht umzusetzen und für die meisten Hunde sehr unheimlich. Wer mag es schon, wenn einem plötzlich die Pfoten weggezogen werden. Natürlich plumpst kein Hund auf den Boden, sondern gleitet sanft über die Beine seines Menschen und wird dann ruhig auf dem Boden abgelegt. Während Kooiker-Mädchen Mila das alles sehr gruselig fand, war das Bordermädchen Maid sofort dabei und lies sich sofort den Bauch kraulen. Schließlich lag sie schon so perfekt dafür.

Nachdem der „Hunde-Heimlich-Griff“ gezeigt worden war, wurde an Balia demonstriert, wie ein Druckverband angelegt wird. Sofort durfte jeder seinen eigenen Hund verarzten. Das Projekt Mumie startete mit viel Begeisterung. Also die Begeisterung war auf Seite der Menschen, die Hunde fanden uns alle wieder eher komisch. Sehr komisch. Aber sie machten alle toll mit und hielten brav still, damit der Verband nicht verrutschte und der Mensch irgendwann mal fertig wurde. Den leidenden Blick „ich armer Hund“ hatte jeder Vierbeiner sofort drauf und fand die Technik meistens nicht so ganz ausgereift, aber mit viel Geduld und jeder Menge Entschädigungsleckerchen wurde mitgespielt.

Außer einer Pfote, ist auch immer sehr schnell ein Ohr verletzt. Ob es ein Kratzer durch ein Busch oder ein Schlenz nach einer Hundebegegnung ist, das Ohr blutet immer sofort sehr heftig. Also muss dort auch oft ein Verband angelegt werden, damit die Blutung schnell gestoppt werden kann. Egal, ob Schlappohr oder Stehohr, die Technik ist immer gleich. Das Ohr wird auf den Kopf gelegt und der Verband wird über den ganzen Kopf gewickelt. Die Hunde fanden das am blödesten, aber es ist wichtig, dass auch ein heftiges Schütteln vom Verband überstanden wird, also ist es toll, wenn das direkt unter Anleitung geübt werden kann.

„Du willst diese Spaghetti echt alleine essen?“
Malin, Straßenhundmix

Nicht alles, was wir mögen, ist gut für den Hund. Vieles ist auch giftig und lebensbedrohlich für den Hund. Nach der Mittagspause wurde ausgiebig besprochen, was nicht gut für den Hund ist und welche Inhaltsstoffe Vergiftungserscheinungen hervorrufen können. Gemeinsam erarbeiteten wir, welche Anzeichen für welche Art der Verletzung sprechen. Ob jetzt ein Stromschlag, Unterkühlung, Hitzschlag oder zum Beispiel eine Vergiftung die Ursache für das Unwohlsein ist, sobald man weiß, was die Ursache ist, kann man auch korrekt reagieren und dem Hund schnellst möglich helfen. Ebenfalls wurde der Inhalt eines perfekten Erste Hilfe Koffers besprochen und auch wieso die Handschuhe am Besten im Erste Hilfe Koffer im Auto gleich mittendrin liegen und nicht in irgendeiner versteckten Tüte.

Zum Abschluss wurden noch praktische Dinge besprochen, wie zum Beispiel auch, was man am Besten über einen Pfotenverband macht, damit der nicht sofort nass wird. Die mit viel Grinsen aufgenommene Antwort von Carmen war „ein Kondom“. Es ist robust und dehnbar genug, um mit jeder Pfote klar zu kommen und schneidet oben auch nicht ein. So kann der Hund prima Gassi gehen und der Verband muss nicht ständig ersetzt werden. Für Unterwegs ist es perfekt, wenn man eine Rettungsdecke, ein Ü-Ei (voller Handschuhe) und ein Dreieckstuch dabei hat. Das passt in jedes Täschchen und reicht für die erste Notfallhilfe bei Verletzungen.

Auch, wenn die Teilnehmer immer noch mit Begeisterung dabei waren, schwächelten die Vierbeiner im Laufe des Seminars und widmeten sich ausgiebig ihrer Augenpflege. Schließlich ist ein ausgeruhter Hund prima geeignet, um den Kopf nach diesen vielen neuen Erfahrungen ordentlich durchzulüften.